Subventionskürzungen bei der KZ-Gedenkstätte Ebensee
und keine historische Aufarbeitung in Braunau –
sieht so die Förderung von Demokratiebildung aus?
In der Ihnen vorliegenden Ausgabe der Zwischenwelt finden Sie einen umfangreichen, sehr wichtigen Schwerpunkt zur ukrainischen Literatur. Der russische Angriffskrieg geht demnächst in den fünften Winter, der den Menschen in der Ukraine wieder unvorstellbar viel abverlangen wird. Versucht doch Russland die Moral der Ukrainer:innen durch fortgesetzte Kriegsverbrechen, wie den Angriff auf Kinderspitäler, Wohnhäuser, aber auch auf kulturelle Güter (Bibliotheken, Klöster usw.) zu brechen. Eine wichtige Rolle, um den Menschen in dieser Situation Hoffnung zu geben, bietet die Literatur. So erscheint es aus unserer österreichischen Sicht verwunderlich, dass die Zahl der Buchhandlungen in der Ukraine seit Kriegsbeginn sogar gestiegen ist! Lesen Sie also vom Reichtum und der Widerstandskraft der ukrainischen Literatur.
Leider erreichte die Theodor Kramer Gesellschaft die traurige Nachricht vom Tod ihres Vorstandsmitgliedes Christian Kloyber. Würdigende und berührende Nachrufe von Karl Müller, Astrid Nischkauer und Bruno Schwebels Witwe, Joan Brodovsky, befinden sich in dieser Ausgabe.
Erinnerung an jüdische Schicksale und Aufarbeitung von NS-Verbrechen sind von jeher Kernaufgaben der Theodor Kramer Gesellschaft. In der vorliegenden Ausgabe finden Sie dazu Beiträge von Robert Streibel, Helmut G. Asper, Johann Bogenreiter und Bruno Schernhammer.
Weil hier in den Vorbemerkungen immer wieder von Subventionskürzungen für Organisationen und Vereine, die in der Gedenkkultur wichtige Rollen einnehmen, die Rede war, muss schon wieder von einem derartigen Fall berichtet werden. Während Minister Wiederkehr medienwirksam seinen Plan zur Förderung von Demokratiebildung und Medienkompetenz samt Einführung neuer Unterrichtsgegenstände ankündigte, wurde dem Zeitgeschichte Museum und der KZ-Gedenkstätte Ebensee die Förderung ersatzlos gestrichen. Dabei handelt es sich um 10.000 Euro. 30 Jahre der demokratiepolitischen Erziehung werden nun also mit einem Federstrich verunmöglicht, denn in Ebensee wurden bisher Workshops mit Jugendlichen zur Demokratieerziehung, begleitende Rundgänge durch die KZ-Gedenkstätte u.a. durchgeführt. Also genau das, was die Regierung in Sonntagsreden und im Nationalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus, der im Februar 2026 von der österreichischen Bundesregierung beschlossen wurde, fördern will. Besonders zynisch bei dieser Streichung erscheint die Tatsache, dass ins Treffen geführt wird, dass ja ohnehin die Fahrtkosten und Eintritte (die sind allerdings für Schüler:innen in der Regel ohnehin frei, doch weiß man das offensichtlich nicht!) in Gedenkstätten für die 8. und 11. Schulstufen unterstützt werden. Die Vermittlung soll also gefälligst gratis und ehrenamtlich oder eben gar nicht mehr erfolgen! So viel zum „Aktionsplan“ …
Über ein Jahr ist es nun her, dass der empörende und in weiten Teilen rechtswidrige Einsatz der Polizei am Peršmanhof stattgefunden hat. Nun gibt es einen Erlass des Innenministeriums, der das Verhalten der Polizei an Gedenkstätten regeln soll. Darin wird unter anderem festgehalten, dass „bei einem Einschreiten die historischen Ereignisse besonders zu berücksichtigen und im Rahmen der Verhältnismäßigkeitsprüfung miteinzubeziehen sind“. Leider kam dieser Erlass einige Wochen zu spät, um die empörenden Vorfälle am großen Wiener Lueger-Denkmal zu verhindern. Denn dort wurden Anfang Juli im Rahmen eines Festivals der Universität für Angewandte Kunst bei einer künstlerischen Intervention vom jüdischen Künstler Alon Ishay loslösbare Sticker mit der Aufschrift „Schande“ aufgeklebt sowie Fußabdrücke mit wasserlöslicher Sprühkreide auf den Boden vor das Denkmal gesprüht. Dieses Denkmal, das ja um 3,5 Grad gekippt wurde, ehrt den Wiener Bürgermeister, der von 1897 bis 1910 das Amt innehatte. Der anhaltende Protest gegen dieses Monument beruht auf Luegers rabiater antisemitischen Einstellung, die auch Adolf Hitler während seiner Wiener Zeit geprägt hat. Die zu dieser künstlerischen Intervention von Passant:innen herbeigerufene Polizei dokumentierte nicht nur die Klebezettel, sondern forderte den Künstler dazu auf, die Fußabdrücke vom Boden zu waschen, also den „straßenwaschenden Juden“ zu geben. Nun, da wäre wohl die Kenntnis von „historischen Ereignisse“, wie im oben angeführten Erlass angeführt, hilfreich gewesen. Dass es nach dem Abzug der Polizei zu antisemitischen Äußerungen von einzelnen Passant:innen kam, empört natürlich, verwundert aber heute leider kaum mehr.
Apropos Hitler: Dessen Geburtshaus wurde nach langer Diskussion umgestaltet und beherbergt nun eine Polizeistation, um das Auftreten von Hitler-Verehrer:innen zu verhindern. Sogar der sich vor dem Gebäude seit 1989 befindende Granitstein aus dem Mauthausener Steinbruch mit der Inschrift „Nie wieder Faschismus. Millionen Tote mahnen“ sollte entfernt werden, steht aber nach Protesten weiter vor dem Haus. Es gibt, wie Der Spiegel über diesen „Exorzismus von Braunau“ schreibt, keine historische Aufarbeitung, keine Dokumentationsstelle zur Geschichte des Hauses, nicht einmal eine schlichte Informationstafel findet man. Ja sogar der anfallende Bauschutt wurde an einen geheimen Ort gebracht, um nicht als NS-Devotionale in einen „Nazikeller“ zu kommen.
Im Fall von Ebensee doch noch etwas Positives zum Abschluss. Denn aufgrund zahlreicher Proteste wurden dem Zeitgeschichte Museum und der KZ-Gedenkstätte Ebensee wieder die Subvention zugesprochen, sogar mit einer kleinen Erhöhung.
Martin Krist