Theodor Kramer Gesellschaft

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Aufarbeitung des Nachlasses von Paula Arnold

 

2018 überließ, auf Vermittlung von Evelyn Adunka, Dan Arnold der Theodor Kramer Gesellschaft den Nachlass seiner Großmutter Paula Arnold überlassen. Dieser beinhaltete, neben Korrespondenzen und Unterlagen der israelischen Schriftstellerin und Übersetzerin, auch solche ihres Vaters Leon Kellner und ihrer Tochter Hannah Arnold.

100 Jahre österreichisch-jüdisch-israelischer Geistes- und Familiengeschichte taten sich beim vorsichtigen, ersten Sortieren der vielen hunderten Dokumente auf, wobei die Korrespondenz zwischen Paula und Hannah Arnold, zwischen 1933 und 1968, den Großteil des Materials ausmacht.

Bereits 2015 hatte die Theodor Kramer Gesellschaft schon von Dan Arnold und seiner Schwester Daphna Amit, nach einem vom Jewish Welcome Service finanzierten Wien-Besuch, den Nachlass Teddy Arnolds erhalten. Die Geschwister hatten 2014 zwei Vorträge über Leon Kellner gehalten (Siehe Alexia Weiss' "Wiener Reminiszenzen" in "Wiener Zeitung" vom 28.11.2014)

 

FördergeberInnen

 

Das Projekt zur Aufarbeitung des Nachlasses wurde vom Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, des Zukunftsfonds der Republik Österreichund der Stadt Wien, Kultur gefördert.

   

 

 

Biografische Anmerkungen

 

Hannah Arnold studierte 1938 Medizin in Wien, während ein Großteil ihrer Familie im Mandatsgebiet Palästina lebte, so auch ihre Eltern, die 1933 von Wien weg ausgewandert waren. Die Medizinstudentin pflegte mit ihrer Mutter Paula Arnold einen Briefkontakt, der bis zum Tod der Mutter 1968 Jahre halten sollte. Die dichte Korrespondenz der Jahre 1938 und 1945 zwischen Hannah Arnold, welche im Sommer 1938 aus Wien in die Schweiz flüchten konnte, und ihrer Mutter in Benyamina, Israel, legen nicht nur Zeugnis ab von der Flucht aus Österreich, vom Leben im Exil, sondern auch vom Diskurs über Politik, Kunst und vor allem Literatur, in einer Familie, die maßgeblich das Wiener Geistesleben geprägt hat.

 

Leon Kellner, der Großvater Hannah Arnolds, war ein bedeutender österreichischer Anglist und eine zentrale Figur des intellektuellen Lebens im Wien der Jahrhundertwende und der Ersten Republik und weit darüber hinaus. Als Anglist war er maßgeblich daran beteiligt, die moderne englischsprachige Literatur in Österreich bekannt zu machen, als Essayist schrieb er regelmäßig für die großen fortschrittlichen Wiener Tageszeitungen, als Politiker setzte er sich im Landtag der Bukowina nicht nur für die Rechte der jüdischen Bevölkerung ein, sondern für jene aller Benachteiligen, als Zionist gehörte er zu den Pionieren der Bewegung seines Freundes und Kollegen Theodor Herzl.

 

Leon Kellner hatte zwei Töchter und einen Sohn: Paula, Dora und Viktor. Paula trat das geistige Erbe ihres Vaters an, wurde, nachdem sie 1905 als eine der ersten Frauen an der Universität Wien promoviert hatte, Schriftstellerin, Übersetzerin, Zionistin. Sie wanderte 1933 ins Mandatsgebiet Palästina aus, wohin schon 1923 ihr Bruder gezogen war. Die Familie lebte in Benyamina, wo die Familie 1911 ein Grundstück erworben hatte. Die Schwester Dora heiratete 1917 Walter Benjamin, hatte mit einem Sohn, und stand in einem intensiven Briefkontakt mit Gershom Scholem.

 

Paula hatte den Wiener Anwalt Markus Arnold geheiratet, der mit ausgewandert und Landwirt in Palästina geworden ist. Ab 1938 kümmerten sie sich um geflüchtete FreundInnen aus Österreich, wie zum Beispiel Max Zweig. Die gemeinsame Tochter Hannah Arnold blieb in Wien, wo sie 1933 ihr Medizinstudium begonnen hatte. Im März 1938 war sie im siebenten Semester inskribiert. Sie konnte sich in die Schweiz retten, wo sie in Zürich ihr Studium beendete. Nach einem Aufenthalt nach dem Krieg in den USA kehrte sie 1953 nach Wien zurück, um als Ärztin zu praktizieren.

 

Paula Arnold

P.A. wuchs als Tochter des berühmten Anglisten, Mitarbeiter Theodor Herzls und Redakteurs der “Welt” Leon Kellner in Wien auf. Ihre Schwester Dora heiratete 1917 Walter Benjamin. Sie studierte Germanistik und Anglistik an der Universität Wien und an der Pädagogischen Hochschule für Mädchen. 1905 promovierte sie mit einer Dissertation über die Theorie der Lyrik in ihrer englischen Terminologie. Danach unterrichtete sie am Chajesgymnasium Englisch und arbeitete als literarische Übesetzerin - u.a. von W.B.Maxell und John Owen - für den Zsolnay Verlag. Ihrem Vater half sie bei seinen Büchern “Austria of the Austrians” und “Complete Hebrew-English Dictionary”. 1933 ging sie wie ihr einziger Bruder Viktor nach Palästina, wo sie zusammen mit ihrem Mann, dem Rechtsanwalt Max Arnold, in Benjamina lebte. Sie arbeitete als Rezensentin und Feuilletonistin für das MB (Mitteilungsblatt - Irgun Olej Merkaz Eropa), den Manchester Guardian, The Contemporary Review, The Cornhill Magazine, The Jerusalem Post und The Baltimore Sun. 1958 und 1960 übersetzte sie zwei Bücher über die Flora Israels von Seév Berlinger und Brakha Avigad aus dem Hebräischen ins Englische. 1959 veröffentlichte sie im “Herzl Yearbook” einen ausführlichen englischsprachigen Aufsatz über ihren Vater. Ihre Erinnerungen blieben unveröffentlicht und befinden sich im Archiv der TKG; ein Auszug erschien 2002 in der Zeitschrift “Zwischenwelt”.

Sie ist 1968 in Israel gestorben.

 

Hannah Arnold

Hannah Arnold, geb. am 29. April 1911 in Wien (heimatberechtigt in Wien, Staatsbürgerschaft: Österreich), war die Tochter von Paula und Markus Arnold.

Sie maturierte am Mädchenrealgymnasium in Wien 8, Albertgasse 38. Nach der Reifeprüfung am 12. Juni 1929, fing sie im Sommersemester 1933 mit ihrem Studium der Medizin an der Universität Wien an.

Hannah Arnold war zuletzt im Sommersemester 1938 an der Medizinischen Fakultät im 7. Studiensemester inskribiert.

Sie musste nach dem "Anschluß" flüchten, konnte in die Schweiz emigrieren und dort an der Universität Zürich am 8. November 1939 ihr Studium abschließen und den akademischen Grad einer "Dr.med." erwerben. (Der Doktorgrad wurde am 7. Oktober 1953 von der Universität Wien nostrifiziert).

Nach einer geschiedenen Ehe mit dem zwischenzeitlichen Namenswechsel zu Hannah Juretich und der Nostrifikation ihres Züricher Doktorats ließ sie sich Ende 1953 als Neurologin ("Fachärztin für Nerven- und Geisteskrankheiten") wieder in Wien nieder und ordinierte in Wien 14 Linzerstraße 299/38/8 bzw. später in Wien 14, Molischgasse 19.

Hannah Arnold starb am 19. Oktober 1976 in Wien.

 

Dokumente

 

Der Nachlass Paula Arnolds umfasst ein Jahrhundert Familien-, Zeit- und Geistesgeschichte. Es befinden sich seit 2018 unzählige Korrespondenzen Leon Kellners (darunter mit Arthur Schnitzler, Thomas Mann), Paula, Hannah, Teddy Arnolds, sowie Manuskripte, Tagebücher in einem Umfang von ca. drei Laufmetern A4 Ordner im Besitz der Theodor Kramer Gesellschaft.

Neben den Briefen, sind es vor allem Dokumentationen und Manuskripte von Paula Arnold, Artikelsammlungen und ca. 20 Bündel mit Briefen, Postkarten und Dokumenten. Ein Viertel davon, ca. 200 Briefe, wurde in der Zeit zwischen 1938 und 1945 geschrieben. Die Korrespondenz zwischen Mutti/Kroteck Paula Arnold und „Hannele“ Hannah Arnold ist jedoch umfangreicher, da sie von 1933 bis 1968 reicht.

 

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