Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und Exil 2025
Preisträger:innen sind: Hellmut Butterweck und Alexia Weiss
Das Preisgeld beläuft sich auf je Euro 4.000,00
Die Verleihung findet am Freitag, dem 12. September 2025 in Niederhollabrunn statt, unweit des Geburtshauses Theodor Kramers.
Es werden sowohl die literarische Qualität, als auch die Haltung und das Schicksal der Preisträgerin oder des Preisträgers gewürdigt. Der Preis ist nicht alleine ÖsterreicherInnen und Menschen, die aus Österreich vertrieben wurden, vorbehalten. Auch das Schreiben in deutscher Sprache ist keine Bedingung.
Mit diesem Preis wird in Österreich Literatur gewürdigt, die im Widerstand und im Exil entstanden ist und entsteht. Die Theodor Kramer Gesellschaft will damit zugleich ein Zeichen setzen, dass in Österreich nicht alles in eine Richtung verläuft, dass dies ein Land mit seinem Widerspruch ist und im Widerspruch und Ringen mit sich selbst auch weiterschreitet. In all den Jahren der Zweiten Republik wurden aus Österreich vertriebene Autorinnen und Autoren höchst selten und nur dann mit Preisen bedacht, wenn sie entweder international schon vielfach preisgekrönt waren oder aber ihren Wohnsitz wieder in Österreich aufgeschlagen hatten.
2) Kurzbiographien der Preisträger:innen Hellmut Butterweck und Alexia Weiss
3) Programm der Veranstaltungen
Hellmut Butterweck
„Meine Phantasie sei ein Hund an der Leine der Wirklichkeit.“
Hellmut Butterweck, Journalist, Forscher, Autor.
Prof. Hellmut Butterweck hat als Journalist die österreichische Nachkriegsgeschichte seit 1948 erlebt und kommentiert. Als Theater-, Kunstkritiker und als Rezensent war er durch Jahrzehnte in der Wochenzeitung Die Furche tätig. Der Weg zum Journalismus war nicht vorgezeichnet, denn nach dem Hinauswurf aus der Schule 1944 wurde er für die deutsche Rüstungsindustrie zwangsrekrutiert und während des Krieges zum Regimegegner. Statt die Schule zu besuchen, hat er gelesen, seine Schule waren Bücher. Er wurde 1948 Journalist, schrieb für zahlreiche Medien, vor allem für Die Furche, Kritiken, Glossen, Satiren, Reportagen und Essays zu verschiedenen Themen, zeitgeschichtliche Beiträge sowie zahlreiche Stellungnahmen gegen antidemokratische, antisemitische und neonazistische Tendenzen. Hellmut Butterweck ist bis heute auch im hohen Alter ein streitbarer Journalist, der, wenn es nötig war, nicht nur gegen Unrecht angeschrieben hat, sondern auch politisch aktiv geworden ist. So hat er 1964 die Demonstration gegen das Franz Murer-Urteil und dessen Freispruch in Wien organisiert.
Sein Hörspiel Das Wunder von Wien wurde 1967 vom NDR und 1978 von Ö1 gesendet, ins Hebräische und Russische übersetzt und als Theaterstück im Malersaal und in den Kammerspielen des Theaters in der Josefstadt 1982 uraufgeführt.
Seine Forschungen über die Volksgerichtsprozesse anhand der Presseberichte und Akten mit zwei Publikationen waren eine Pionierleistung und haben der Zeitgeschichte neue Impulse gegeben. Im Jahr 2025 erscheint seine Studie über den Antisemitismus der „Stunde Null“ im Jahr 1945.
Unter anderem veröffentlichte er: Verurteilt und begnadigt. Österreich und seine NS-Straftäter (2003), Der Nürnberger Prozess. Eine Entmystifizierung (2005), Nationalsozialisten vor dem Volksgericht Wien. Österreichs Ringen um Gerechtigkeit 1945–1955 in der zeitgenössischen öffentlichen Wahrnehmung (2016), den Roman Tote im Verhör (2008).
Alexia Weiss
Alexia Weiss schafft durch ihre schriftstellerisch-publizistische Tätigkeit in unterschiedlichen medialen Formen eine Verbindung über Generationengrenzen hinweg. Ihre Texte erscheinen im jüdischen Magazins WINA, sie schreibt ebenso als freie Journalistin für gewerkschaftliche Medien wie KOMPETENZ oder ARBEIT & WIRTSCHAFT und andere Magazine und Zeitungen. Auch in den sozialen Medien ist sie eine wichtige Stimme gegen Geschichtsvergessenheit, Antisemitismus, die Ausgrenzung von Minderheiten und die Instrumentalisierung dieser Diskurse. In ihren zahlreichen Büchern stehen die Lebensrealitäten und die Vielfalt jüdischer Lebensentwürfe nach der Shoah im Mittelpunkt (Haschems Lasso, 2009; Dinah und Levi. Wie jüdische Kinder feiern, 2011; Endlosschleife, 2014). Mit Jude ist kein Schimpfwort (2021) zeigt Alexia Weiss in persönlichen Porträts, wie Antisemitismus und Vorurteile gegenüber Jüdinnen und Juden auf das Leben und den Alltag des Einzelnen wirken. Zuletzt brachte sie sich mit ihrem Buch Zerschlagt das Schulsystem … und baut es neu! (2022) auch in die Debatte um Chancengleichheit durch Bildung ein.
Nicht zuletzt würdigt der Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil Alexia Weiss als eine wichtige Stimme, die die Ereignisse des 7. Oktober 2023 und die Reaktionen darauf unermüdlich kommentiert, richtiggestellt und eingeordnet hat. Ihr Appell an die „Differenzierungsgabe“ ist nach den Nationalratswahlen 2024 umso wichtiger.
Kurzbiographien des Preisträger:innen
Hellmut Butterweck
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Pressefoto auf Anfrage (emanuely[a]theodorkramer.at)
Der Journalist und Schriftsteller Hellmut Butterweck wurde am 30.Dezember 1927 in Wien geboren. Als Jugendlicher wurde er als Hilfsarbeiter in der Rüstungsindustrie dienstverpflichtet. Sein letzter Arbeitsplatz 1944 war eine Löschwiegenfabrik am Margaretenplatz.
In dem Buch von Michael Schmölzer Die Befreiung Wiens. April 1945. Gespräche mit Überlebenden (Theodor Kramer Gesellschaft 2020) erinnert sich Butterweck: „Ich war Deserteur, ich hatte einen Sabotage-Prozess am Hals […].“ Er hasste die Nazis und seine Situation war prekär, denn sein Wehrpass war abgelaufen. Im Arbeitsamt am Esteplatz ließ eine Beamtin den Sabotage-Akt in einer Lade verschwinden. Im Jänner 1945 wurde der Trakt des Wehrbezirkskommandos mit seiner Karteikarte weggebombt.
Als Journalist publizierte Butterweck im Laufe seines Lebens tausende Artikel, vor allem zu zeitgeschichtlichen Themen. Ab den 1950er Jahren publizierte er vor allem in der Wiener katholische Wochenzeitung Die Furche. 1967 berichtete er auch aus Israel. 1986 besuchte er das Land auch auf einer Lesereise mit H.C.Artmann, Günter Seidl und Herwig Kaiser.
1976 wurde er als Theaterkritiker und Leiter des Ressort Wissenschaft und Zeitgeschichte der Furche angestellt. Auch nach seiner Pensionierung 1992 betreute er das Buchressort der Zeitung.
Heiner Boberski, Chefredakteur der Furche von 1995 bis 2001, nannte Butterweck in einer Würdigung zu seinem 70.Geburtstag einen „der letzten wandelnden Anekdotenspeicher für die legendäre Funder-Zeit oder die Ära Skalnik […].“ (Friedrich Funder war der Gründer und Kurt Skalnik der Chefredakteur der Zeitung, der Butterweck anstellte). Bei der Geburtstagsfeier in der Urania las Fritz Muliar aus Butterwecks Stück Die Letzten, einem Dialog zwischen einem alten Nazi und einem alten Juden.
Butterweck verfasste auch zahlreiche Hörspiele und Theaterstücke. Besonders hervorzuheben ist das Stück Das Wunder von Wien, in dem ein Wunderrabbi entdeckt, dass er mit der Unterschrift von 36 gerechten Nichtjuden in der NS-Zeit ermordete Juden wieder zum Leben erwecken kann. Das Stück wurde auch ins Russische und Hebräische übersetzt. Die Hörspielfassung wurde 1967 erstmals vom NDR, in der Regie von Heinz Hostnig, gesendet. 1978 wurde es von Oe1 übernommen, mit den Schauspielerin Fritz Muliar, Kurt Sowinetz, Emil Feldmar und Hans Thimig. 1968 wurde das Stück auch vom Rundfunk der DDR gesendet, unter der Regie von Hans Knötzsch. Die von Leon Epp 1966 angeregte Bühnenfassung wurde 1982 im Malersaal im Theater in der Josefstadt mit Kurt Nachmann in der Hauptrolle uraufgeführt, vom ORF übertragen und danach einige Male in den Kammerspielen gespielt. 1986 wurde das Stück vom Verein Österreichisches Autorentheater im Kulturzentrum Donaustadt erneut aufgeführt.
Die beiden Studien von Butterweck (2003 und 2016) über die Volksgerichte in Österreich von 1945 bis 1955 über die Täter des Nationalsozialismus anhand der Presseberichte und der Akten sind eine Pionierleistung der österreichischen Zeitgeschichte und ein wichtiges Quellenwerk für viele Einzelschicksale von Opfern und Tätern in der NS-Zeit.
Im Tatsachenroman Tote im Verhör müssen sich drei Angeklagte 1946 vor einem Wiener Richter für ihr Verhalten in der NS-Zeit rechtfertigen.
2016 erhielt Butterweck den Preis der Stadt Wien für Publizistik.
Alexia Weiss
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Abdruck bei Anführen des Credits honorarfrei
Pressefoto auf Anfrage (emanuely[a]theodorkramer.at)
Die Journalistin und Autorin Alexia Weiss wurde 1971 in Wien geboren. Sie studierte Germanistik und absolvierte den Hochschulkurs für Europajournalismus an der Universität Wien.
1993 wurde sie Mitarbeiterin der Austria Presse Agentur, in den Ressorts Wissenschaft, Bildung und Kultur, ab 2000 in der Redaktion Innenpolitik. 2005/6 redigierte sie die Zeitung theaterWal des stadtTheaters Walfischgasse.
2006 wurde ihre Tochter Lea geboren.
Von 2011 bis zur Gegenwart arbeitet sie in Teilzeit als Redakteurin für das monatlich erscheinende jüdische Stadtmagazin WINA.
Von 2010 bis 2020 berichtete Alexia Weiss regelmäßig für die Wiener Zeitung über das jüdische Leben, jüdische Vereine und Veranstaltungen in Wien.
Sie publizierte auch in der deutschen Zeitung Jüdische Allgemeine, in der Wiener Zeitschrift Das jüdische Echo sowie in gewerkschaftlichen Medien wie Kompetenz der GPA und Arbeit&Wirtschaft.
In vielen Vorträgen und ihrer publizistischen Arbeit kämpft Weiss gegen das Nichtwissen über Israel und das Judentum und gegen antisemitische Vorurteile.
Auf der Tagung „Subjekt des Erinnerns?“, die 2009 in der Alten Schmiede aus Anlass von 25 Jahren Theodor Kramer Gesellschaft stattfand, erzählte Weiss von ihrer Familiengeschichte. Ihre mütterliche Großmutter, die Schauspielerin Marianne Eichler, flüchtete 1938 über Frankreich nach Portugal, wo sie bis in die 90er Jahre lebte. Die Vorträge der Tagung sind im Jahrbuch Zwischenwelt 12 nachzulesen.
In den beiden Romanen Haschems Lasso (2009) über sieben Wiener Jüdinnen und in Endlosschleife (2014) setzte sie sich auch mit den Mitteln der Literatur mit dem jüdischen Leben auseinander. 2011 publizierte sie das Kinderbuch Dinah und Levi: Wie jüdische Kinder leben und feiern.
Ihr Buch Jude ist kein Schimpfwort. Zwischen Umarmung und Ablehnung. Jüdisches Leben in Österreich (2021) enthält Gespräche mit Chanan Babacsayv, Mally Shaked, Susanne Trauneck, Ursula Raberger, Rabbiner Shlomo Hofmeister, Shoshana Duizend-Jensen und Willy Weisz über den Antisemitismus von heute.
Nach der Publikation ihres letzten Buches Zerschlagt das Schulsystem…und baut es neu. Eine Streitschrift (2022) publiziert Weiss verstärkt Texte zu Bildungsthemen.
Feierliche Preisverleihung
Freitag, 12. September 2024, 19 Uhr
Pfarrsaal Niederhollabrunn
Kirchenplatz 1, 2004 Niederhollabrunn
(Informationen zu weiteren Veranstaltungen folgen)